You are currently viewing Folge 6 – Was ist der Inhalt unseres Glücks

Wo geht man auf die Suche nach Glück?

Heute beschäftigen wir uns mit den Inhalten des Glücks, ganz unabhängig davon, auf welcher Glücksstufe wir uns befinden. Wo sucht man sein Glück und wo findet man es?

Erfahren Sie in dieser Folge:

Wieso Glück nicht für jeden gleich aussieht und was ihr Lebenszweck damit zu tun hat.

Wo Sie am besten nach ihrem Glück suchen.

Was der Glück-Killer Nummer 1 ist.


Sie haben Fragen und Anregungen?

Dann schreiben Sie mir gerne eine Nachricht an: thomas.kapp@allscout.de

Oder wenn Sie lieber lesen möchten, geht es hier weiter mit dem Text zum Podcast.

Wie immer beginnen wir mit einer Geschichte:

Nelson Mandela war 26 Jahre im Gefängnis. Trotzdem hatte er nach seiner Entlassung eine versöhnliche Haltung − gegründet auf der Erkenntnis, dass “nur ein Mensch ohne Hass frei” sein könne. Deshalb habe er “nicht zugelassen, dass der Hass mein Denken bestimmt”. Es ist interessant zu sehen, wie nah sich hier Weltpolitik und christliche bzw. buddhistische Lehren kommen: Ohne diese Einstellung und geistige Unabhängigkeit von Mandela wäre ein friedlicher Abschied von der Apartheid zum heutigen demokratischen System wohl nicht möglich gewesen. Mehr noch: Ohne diese Geisteshaltung hätte Mandela persönlich die lange Haftzeit vielleicht gar nicht überstanden, weil der Hass seine Seele aufgefressen hätte.

Was bedeutet das nun für unsere Startrampe Erfolg?

In der letzten Folge haben wir uns mit den Glücksqualitäten befasst. Heute schauen wir uns den „Inhalt“ des Glücks näher an, und zwar unabhängig davon, auf welcher Glückstufe wie uns gerade befinden.

Wenn Ihr Lebenszweck „Gerechtigkeit“ ist, werden Sie Ihr Leben ganz anders ausrichten, als wenn Ihr Lebenszweck aus der Anhäufung eines möglichst „großen materiellen Reichtums“ besteht. Wenn „beruflicher Erfolg“ ihr höchstes Ziel ist, werden Sie ein anderes Leben führen als Mutter Teresa oder Martin Luther King. Der Hedonist wird ein anderes Leben führen als der Asket. Der Extremsportler ein anderes als ein Berufspolitiker. Machen Sie sich also klar, wie Ihr persönlicher Lebenszweck aussieht und ordnen Sie diesem Ihre Ziele und Ihr Handeln unter. Ihr Lebenszweck ist Ihr innerer „heiliger Gral“ und Ihr innerer Kompass. Ihn zu finden und ihn zu erfüllen, ist die Grundlage Ihres „Glücksinhalts“.

Es lohnt sich, immer wieder etwas Zeit zu nehmen und in unserem Leben innezuhalten, schon deshalb, weil wir in unserem Leben manchmal Stück um Stück in eine für uns falsche Richtung driften − oder rennen − und irgendwann feststellen, dass wir unseren ursprünglichen Lebenszweck völlig aus den Augen verloren haben: In unserem Beruf, in unserer Ehe oder Partnerschaft, in unserem Freundeskreis etc. Wenn das passiert, ist es so, wie wenn jemand an einem Autorennen teilnimmt und vom Start aus in die falsche Richtung losfährt. Dann hilft es auch nicht, schneller zu fahren. Im Gegenteil, wir verlieren uns noch schneller. Dann sind wir im klassischen Hamsterrad, auf der Suche nach „more of the same“ bzw. „more of the wrong“. Und glücklich sind wir dann gleich gar nicht!

Folgende Perspektiven können Ihnen vielleicht weiterhelfen:

Das Glück in uns

Das Glück liegt bereits in uns! Unsere innere Stimmung und Einstellung prägen unsere Wahrnehmung der Außenwelt. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass mein innerer Gemütszustand ganz entscheidend dafür ist, wie ich meine Umwelt und andere Menschen wahrnehme. Bin ich schlecht gelaunt oder gar deprimiert, so nervt alles, was mir begegnet, alles ist grau, jeder Baum, jedes Haus, jedes Auto, jeder Mensch, einfach alles. Schlimmer noch, in dieser Verfassung ist mein Fokus auf alles gerichtet, was negativ ist, nicht funktioniert oder jedenfalls nicht meiner Vorstellung von Perfektion gerecht wird – also eigentlich alles! Bin ich dagegen in bester Laune, könnte ich alles, was mir begegnet, umarmen und anfangen, zu tanzen oder zu singen – obwohl es dieselben Bäume, Häuser, Autos oder Menschen sind! Wenn wir also nicht gut gelaunt und mit uns nicht im Reinen sind, hilft uns die tollste Reise, das tollste Haus oder der tollste Partner nicht weiter zu unserem Glück. Deshalb macht Geld auch nicht tiefgreifend glücklich.

Unser „heiliger Gral“ liegt nicht irgendwo auf der Welt, sondern in uns. Wir müssen nicht wie Indiana Jones oder Lara Croft in fremden Ländern nach dem großen Schatz oder dem Stein der Weisen suchen. Unsere ureigenen innersten Werte, Träume, Bedürfnisse, Wünsche, Visionen werden wir nicht durch eine Reise nach „außen“ finden. Es gibt keinen „Schatz im Silbersee“! Wir sollten unser Glück innen − in uns selbst − suchen. Maharishi Mahesh Yogi, der Begründer der Transzendentalen Meditation und Inspirator der Beatles, spricht von einem „ewigen Glückseligkeitsbewusstsein“ („sat chi ananda“), welches der Mensch bereits in sich trägt und nur finden muss. Dazu braucht man nicht Hinduist oder Buddhist zu werden. Wenn man diese Innenschau vornimmt, gelangen wir zum klassischen Leitsatz des Abendlandes: „Erkenne dich selbst!“ − Selbsterkenntnis und Entwicklung des eigenen Potenzials ist die Basis unseres Glücks.

Beginnen wir bei uns selbst und hören auf, anderen Menschen die Schuld an unserer Misere zu geben! Wenn wir uns selbst ändern, wird sich auch alles um uns herum ändern, vielleicht nicht in drei Tagen, aber nach und nach. Benutzen wir das Gedicht „Invictus“ von William Ernest Henley gelegentlich als Leuchtturm, welches wie folgt endet:

“It matters not how strait the gate, 
How charged with punishments the scroll,  
I am the master of my fate:  
I am the captain of my soul.”

Es wurde ins Deutsche übersetzt wie folgt:

„Egal, wie schmal das Tor, wie groß,           
wieviel Bestrafung ich auch zähl.     
Ich bin der Meister meines Los’.       
Ich bin der Käpt’n meiner Seel.“

Seien wir der Kapitän unserer Seele und unseres Glücks!

Der Vergleich als Glück-Killer

Menschen neigen stets dazu, ihre Fähigkeiten, ihre Gesundheit, ihren Besitz, ihre Lebenssituation mit ihrem Umfeld zu vergleichen. Vergleichen kann die Orientierung und Entscheidung im Leben manchmal erleichtern. Das ist jedoch ein rationaler Vorgang. Geht es um unser Glück, führt das Vergleichen mit anderen fast zwangsweise zur Unzufriedenheit. Jeder Vergleich mit anderen macht unglücklich, er führt zur Abwertung! Warum? Weil Sie Äpfel mit Birnen vergleichen! Die anderen Menschen sind anders als Sie. Es wird immer noch jemand geben, der schneller laufen kann, ein größeres Auto oder mehr Geld hat. Jeder Revolverheld im Wilden Westen war so lange der Held, bis er auf einen anderen traf, der noch schneller war. Am Ende waren sie alle tot.  Dieser „Horizontalvergleich“ ist also die sichere Basis von andauernder Unzufriedenheit! 

Der einzig valide Vergleich, der uns weiterbringt, ist der Vergleich mit einer früheren Situation in unserem Leben, also der „Vertikalvergleich“: Wo stand ich gestern – wo stehe ich heute? Wenn also Ihr Nachbar den Marathon in 2:15 läuft, sollten Sie es ihm nicht neiden. Stellen Sie sich stattdessen zwei Fragen: Will ich wirklich auch 2:15 laufen? Was muss ich dafür tun, um dieses Ziel zu erreichen? Wenn Sie schon die erste Frage verneinen, ist das Thema bereits erledigt. Falls Sie die Frage bejahen, müssen Sie sich die zweite Frage stellen. Anders als beim neidischen Horizontalvergleich, transformiert sich der Horizontalvergleich in einen anspornenden Vertikalvergleich: Welche Zeit lief ich vor sechs Monaten, welche Zeit laufe ich heute und welche Zeit möchte ich in sechs Monaten laufen – und was muss ich dafür tun? Der Vergleich ist dann nicht die Basis von Neid, sondern wird Ansporn zu einem intensivierten, konsequenten Trainingsprogramm, um in der Zukunft besser als zu werden.

Leben im Jetzt − Das Glück in der Präsenz  

Das Glück ist nicht nur in uns, es ist auch jetzt in uns. Wir alle kennen den römischen Spruch: „Carpe diem“ „Nutze den Tag“! Geben wir den Gedanken auf, dass in unserem Leben zu einem späteren Zeitpunkt etwas Besonderes kommen wird. Wenn wir so denken, werden wir die Magie des Augenblicks verpassen. Das wäre etwa so, wie wenn wir in einem Kinofilm 2 Stunden lang Zeitung lesen und nur die letzten fünf Minuten des Films anschauen würden.

Wenn es überhaupt eine Zeit gibt (eine Frage, der wir uns in einer späteren Folge einmal zuwenden werden), dann ist die Gegenwart unsere einzige Verbindung zu unserem menschlichen Leben, zu unseren Mitmenschen und unserer Umwelt. Mir wird das immer wieder sehr deutlich, wenn ich ein schönes Musikstück höre: Ich kann es nur im Augenblick und durch den Augenblick wahrnehmen, im nächsten Moment kommt ein anderer Ton. Die Musik entsteht nur durch die zeitliche Abfolge von Tönen – und nach drei Minuten oder einer Stunde ist alles vorbei! Musik hören wir nicht, um eine mathematisch-logische Abfolge von Frequenzen wahrzunehmen, sondern um durch die Musik ein emotionales Erleben zu ermöglichen, und zwar jetzt und nur jetzt. Glück funktioniert genauso wie Musik! Es lohnt es sich für uns immer wieder, in Ruhe darüber nachzudenken.

Für heute sind wir damit fast am Ende.  Wie immer gibt es für Sie noch zwei Impulse, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ein Zitat und eine Frage zum Nachdenken.

Das Zitat stammt heute von Ralph Waldo Emerson:

“Though we travel the world over to find the beautiful, we must carry it with us or we find it not.” – Auch wenn wir durch die Welt reisen, um das Schöne zu finden, müssen wir es in uns tragen oder wir werden nichts finden.

Und die persönliche Frage für Sie lautet:

Sind Sie schon auf der Suche nach Ihrem heiligen Gral Ihres Glücks oder strampeln Sie noch im Hamsterrad?

Gehen Sie in sich und finden Sie eine persönliche Antwort!

Viel Spaß dabei!

In der nächsten Folge sprechen wir darüber, warum der Sinn, den wir unserem Leben geben, so wichtig für unser Glück ist.

Bis dahin verbleibe ich mit den besten Wünschen, Ihr Thomas Kapp