You are currently viewing Folge 20 – Mut und Erfolg

Sieben Elemente des Mutes
„Sapere aude! – Habe den Mut, dich deines eigenen Verstands zu bedienen!“ Mut spielt eine zentrale Rolle, wenn Sie Erfolg haben wollen. Seien sie also mutig – und hören sie in diese Folge rein.

Erfahren Sie in dieser Folge:

Die 7 Elemente des Mutes

Wie Mut zum Katalysator für ihren Erfolg wird

Wie Sie Ihren Mut stählen

Sie haben Fragen und Anregungen?

Dann schreiben Sie mir gerne eine Nachricht an: thomas.kapp@allscout.de

Oder wenn Sie lieber lesen möchten, geht es hier weiter mit dem Text zum Podcast.

Wie immer beginnen wir mit einer Geschichte:

Philippe Petit ist 1974 acht Mal auf einem Drahtseil ohne Sicherung von einen zum anderen Turm des alten World Trade Center hin und her balanciert. Für ihn war es Mut; für viele andere (einschließlich meiner Person) wäre es Übermut und ziemlich sicher Selbstmord gewesen.

Was bedeutet das nun für unsere Startrampe Erfolg?

Mut bedeutet, etwas zu wagen, ein Risiko einzugehen, sich in eine mit Gefahren verbundene Situation zu begeben, um dadurch ein höheres Ziel zu erreichen. Mut kann sich in einer Handlung (z.B. Selbstständigmachen eines Angestellten) oder in einer Handlungsverweigerung (z.B. einem sozialen Zwang zu widerstehen, indem man Nichtraucher bleibt, obwohl alle in der Clique rauchen) zeigen. Mut kann sich aber nicht nur im Handeln oder Unterlassen, sondern auch im Denken zeigen: Der Leitsatz von Immanuel Kant zur Aufklärung war: „Sapere aude! – Habe den Mut, dich deines eigenen Verstands zu bedienen!“ Aufklärung hatte also nicht nur mit Erkenntnis, sondern auch mit Mut zur eigenständigen Erkenntnis zu tun.

Was heißt Mut heute?

Sieben Elemente des Mutes sind m.E. hervorzuheben:

  1. Der mutige Mensch überwindet eine innere Hemmschwelle, er begibt sich aus der Komfortzone seines Lebens heraus. Auch der Mutige hat Zweifel und Angst – aber er überwindet sie. Wenn Sie also Gefühle von Zweifel und Angst verspüren, heißt das noch lange nicht, dass Sie nicht zu mutigem Handeln in der Lage wären. Doch der Mutige ist von einer inneren Zuversicht getragen, er glaubt an ein Gelingen seines Schrittes. Seine Seele bezwingt seine Angst und sein Geist seine Zweifel.
  2. Neben dieser eher intrinsischen Angst kann die Angst auch durch den Verstoß gegen extrinsische Grenzen (z.B. Ver- und Gebote) begründet werden. Mut ist damit meist auch ein Stück Ungehorsam! Ungehorsam ist die Verbindung von Individualität und Mut. Wir erkennen, dass wir persönlich etwas anders machen wollen als die anderen, und wir haben den Mut, dies auch gegen Widerstände umzusetzen. Viele als erfolgreich betrachtete Menschen rebellierten gegen etablierte Systeme: Nelson Mandela gegen politische, Albert Einstein gegen wissenschaftliche, Karl Marx gegen wirtschaftliche, Robert Bosch gegen soziale, Pablo Picasso gegen kulturelle, Martin Luther gegen religiöse und Sokrates gegen philosophische Systeme.
  3. Der mutige Mensch kann seine Gedanken kontrollieren. Denn unsere Gedanken sind meist verantwortlich für unsere die geistige Antizipation der möglichen negativen Konsequenzen unseres Handelns. Und diese Antizipation hält uns oft zurück. Der uns bereits bekannte Meckeraffe ist in dieser Disziplin ganz groß. Die Macht der Gedanken kann uns mutlos machen – oder auch zu Helden. Und oft bringen Menschen den größten Mut auf, wenn sie – z.B. in einer akuten Stresssituation oder Bedrohungslage – gar keine Zeit zum Nachdenken haben.
  4. Weil der mutige Mensch ein Risiko eingeht, kann er auch scheitern. Mutig kann nur sein, wer die Möglichkeit dieses Scheiterns als mögliche Konsequenz seines Handelns nicht nur sieht, sondern auch (innerlich) akzeptiert. Aber vergessen wir auch nicht: Wer Mut hat, geht ein Risiko ein. Wer keinen Mut hat, auch.
  5. Wer mutig ist, braucht eine real existierende Chance des Erfolgs. Wenn diese nicht besteht, wird Mut eher zur sinnlosen Verzweiflungstat. Wer diese Chance nicht hat, sollte sich dies ehrlich eingestehen, sonst wird sein nach außen als mutig dargestelltes Verhalten nur zur Selbstzerstörung führen.
  6. Selbst, wenn eine Chance auf Gewinn besteht, wird der kluge Mensch individuell abwägen, was er gewinnen und was er verlieren kann. Der Gewinn muss für ihn (in seiner ganz persönlichen Bewertung) höherwertiger sein als der Verlust. Ist die Bilanz negativ, mutiert der Mut zur Dreistigkeit, der Mutige wird zum Hasardeur, z.B., wenn ein Mensch beim Roulette sein ganzes Vermögen auf Zero setzt.
  7. Was uns zum Mut ermutigen sollte: Viele Schauspieler und Künstler haben noch nach vielen Jahren beruflicher Praxis bei jedem Auftritt Lampenfieber. Aber sie überwinden es jedes Mal von neuem. Betrachten Sie Lampenfieber daher als einen guten Freund, denn Lampenfieber bedeutet nichts anderes, als dass Ihr Körper Ihnen seine volle Energie zur Verfügung stellt..

Wie verhält sich nun Mut zum Erfolg?

Mut ist regelmäßig kein Selbstzweck, sondern Mut ist ein Katalysator für unseren Erfolg im Leben. Mut benötigen wir bei der Erkenntnis wie beim Handeln. So benötigen wir z.B. Mut, um dem Leben einen Sinn zu geben und uns selbst zu erkennen, um für unsere Werte einzustehen, um unseren eigenen Weg außerhalb der Fußstapfen anderer zu gehen, anders zu sein, gegen den Strom zu schwimmen oder gegen die Regeln zu verstoßen und die vorherrschende Meinung und Autoritäten in Frage zu stellen. Und dafür muss sich der mutige Mensch häufig auch zeigen. Denken wir immer an den Satz im III. Flugblatt der Geschwister Scholl vom Sommer 1942: „Verbergt nicht Eure Feigheit unter dem Mantel der Klugheit“. Wir sollen also nicht unklug handeln, aber auch nicht durch vorgeschobene Klugheit mutlos sein.

In der letzten Folge haben wir uns mit der Wahrheit befasst. Nun stellen wir die Frage:

Wie hängen Wahrheit und Mut zusammen?

Wahrheit und Mut sind miteinander eng verbunden. Der Mutige braucht die Wahrheit, denn nur mit ihr kann er ein verlässliches Risikoprofil erstellen und sein Ziel gegen das Scheitern abwägen. Mit jeder Trickserei betrügt sich der Mutige selbst. Der Wahrheitssuchende demgegenüber braucht den Mut, um die Wahrheit zu suchen, zu finden, sie zu artikulieren, für sie geradezustehen und sich für sie einzusetzen. Denn die Wahrheit ist den Menschen oft unangenehm und es erfordert oft Mut, die Wahrheit auszusprechen, zu hören oder zu akzeptieren. Und es erfordert Mut, die Konsequenzen zu tragen, wenn man die Wahrheit ausspricht. Jede historische oder aktuelle Diktatur liefert hierfür zahlreiche traurige Beispiele.

Mut verhält sich zur Feigheit wie die Wahrheit zur Lüge. Damit passt auch die Beziehung von Wahrheit und Mut im Negativen zusammen, denn meist ist der Lügner auch feige, weil er sich nicht traut, die Wahrheit zu sagen, zu hören oder ihre Konsequenzen zu ertragen.

Wahrheit und Mut sind daher zwei zentrale Werte für unseren Lebenserfolg. Mut und Wahrheitsliebe hängen miteinander zusammen und langfristig ist ohne beide kein Erfolg möglich. Wenn Sie das ganz anders sehen: Wunderbar! Nur glaube ich nicht, dass Sie den Gipfel Ihres Erfolgs erreichen werden, wenn Sie sich mit diesen beiden Werten nicht intensiv auseinandergesetzt und Ihr Bewusstsein geschärft haben. Was ist also Ihre Wahrheit, was ist Ihr Mut?

Wie stärken wir unseren Mut?

Mut ist bei vielen Menschen nicht automatisch vorhanden. Mut ist eher unangenehm und Mut bedeutet Überwindung von inneren Widerständen. Wie können wir unseren Mut trainieren? Von der berühmten Eleanor Roosevelt stammt der Satz: „Mache jeden Tag etwas, was dir Angst macht.“ Man muss diesen Satz nicht wörtlich nehmen, aber er enthält drei tiefgehende Wahrheiten über den Mut:

  1. Um unsere Angst zu besiegen, müssen wir ihr aktiv und bewusst die Stirn bieten.
  2. Man kann den eigenen Mut regelmäßig wie einen Muskel trainieren, Schritt für Schritt.
  3. Je bewusster wir mit unserer Angst umgehen, desto weniger Mut benötigen wir.

Alles zusammen versetzt uns in die Lage, nach und nach immer mutiger zu werden und unsere Angst zu überwinden. Darüber hinaus entdecken wir langsam andere Facetten unseres eigenen Wesens, wenn wir etwas tun, was uns Angst macht. Zudem wächst unser Selbstvertrauen. Lassen wir uns ermutigen von Artur Dieckhoff: „Du fragst mich, was soll ich tun? Und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Artur.”

Für heute sind wir damit fast am Ende.  Wie immer gibt es für Sie noch zwei Impulse, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ein Zitat und eine Frage zum Nachdenken.

Das Zitat stammt von Theodor Fontane:

„Zwischen Hochmut und Demut steht ein Drittes, dem das Leben gehört, und das ist ganz einfach der Mut“.

Und die persönliche Frage für Sie lautet:

Wo bereuen Sie heute, nicht mutig genug gewesen zu sein?

Gehen Sie in sich und finden Sie eine persönliche Antwort!

Viel Spaß dabei!

In der nächsten Folge sprechen wir über Individualität, und zwar nicht über irgendeine, sondern Ihre Individualität. Dann geht es um Sie ganz persönlich!

Bis dahin verbleibe ich mit den besten Wünschen, Ihr Thomas Kapp

Dr. Thomas Kapp

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